Baja Kalifornien
Gerhard Schimpf, Januar 1998
Vor vielen Jahren wurde bei mir durch die Lektüre eines Reiseberichts
von John Steinbeck das Interesse an dieser Region geweckt. In seinem Buch
"Log from the Sea of Cortez" (deutsch: "Logbuch des Lebens")
schildert Steinbeck humorvoll und packend zugleich ein abenteuerliches Unternehmen:
Anfang des zweiten Weltkriegs startete er mit seinem Freund Ed Ricketts
eine meeresbiologische Forschungsfahrt, die ihn bis in den Golf von Kalifornien,
die Sea of Cortez führte. Einen Teil dieser Seereise wollten wir 1998
nachvollziehen. Nach zwei früheren Baja-Reisen in den Jahren 1976 (mit
einem Motorhome, gestartet in Los Angeles zum nordöstlichen Teil) und
1980 (mit einem Sportflugzeug, whale watching in Guerrero Negro und zur
Bahia de Los Angeles), steht bei uns in diesem Winter 1997/1998 wieder die
Baja California auf dem Plan.
Zu Steinbeck's Zeit war die Region noch total unerschlossen, von der
Welt vergessen und liebevoll verschlafen..
Seit jeher hat eine Reise in dieses schwer zugängliche Wüstengebiet
am südlichen Zipfel Kalifornines große Anforderungen an den Reisenden
gestellt. Und erst seit 1975 gibt es eine durchgehende Straße von
Norden anch Süden, die Mex 1. Für seine Strapazen wurde der Reisende
stets reich mit Natureindrücken belohnt. In der Baja gibt es eine großartige
Vegatation mit Arten, wie z.B. den Ocotillo, die nur hier auf der Welt vorkommen.
Heute ist die Baja erschlossen und entwickelt sich allmählich zur
Tourismusregion. Spötter sagen: erst kamen die Forscher, dann die Rucksacktouristen,
jetzt die Millionäre.
Stationen / Impressionen unserer Baja Reise mit der Yacht "Pelikan"
Die 15m Ketch "Pelikan" war im Dezember '97/Januar '98 unsere
schwimmende Basis für diese Expedition. Als Navigationsunterlagen dienten
uns "Charlie's Charts of the Western Coast of Mexico (including Baja)"
von Charles E. Wood, ISBN 0-969142-4-6.
Diese Unterlage benutzten wir lediglich zur groben Orientierung, da wir
mit unserem GPS Navigationsgerät wesentlich präziser, teilweise
auf wenige m genau, navigieren konnten. Mit der Kombination GPS Navigation
und graphisch anzeigendem Echolot konnten wir einige Ankerplätze genau
ausmessen und damit wichtige Informationen für zukünftige Reisen
mit der "Pelikan" gewinnen.
- La Paz
Eine weiträumige Wetterstörung (von den amerikanischen Amateurfunkern
"Pineapple Express" genannt) überzieht den Pazifik von Hawaii
bis in die Baja California und sorgt für untypischen Starkwind. Wir
liegen ziemlich ungemütlich vor Anker im Hafen von La Paz. Die Kombination
von Gezeitenströmungen und Starkwind erzeugt ein wildes Welenbild
und läßt die vor Anker liegenden Yachten gefährliche Drehmanöver
ausführen - "La Paz Walzer" nennen das die Yachties. Wir
wollen auslaufen und einen sicheren Ankerplatz aufsuchen, aber der Hafenkapitän
hat die Hafeneinfahrt gesperrt. Es ist zu gefährlich. Keiner darf
rein oder raus.
Mühsame Verhandlungen mit dem Hafenkapitän: schließlich
erreichen wir eine "mexikanische" Lösung. Er ist zwar unseren
nautischen Argumenten aufgeschlossen, aber nicht bereit die generelle Sperre
aufzuheben. Er verspricht "wegzusehen", wenn wir auf eigenes
Risiko auslaufen. Wir wollen die 7sm entfernte Bucht von Pichilingue anlaufen.
Nachmittags gehen wir als einzige Yacht Anker auf und folgen präzise
dem ausgesteckten Tonnenstrich nach Norden.
In Pichilingue liegen wir ruhig und geschützt. Eine gute Entscheidung.
Jetzt brauchen wir nur noch den offiziellen Stempel des Hafenkapitäns
bevor wir uns in die Wildnis aufmachen, wo es keine Behörden mehr
gibt.
- Pichilingue
Bei der morgendlichen Funkrunde (moderiert von "Maverick" einem
humorvollen Amerikaner) erfahren wir, daß der Hafenkapitän von
La Paz die Sperre aufgehoben hat. Unser skipper trampt nach La Paz zurück
und holt den offiziellen Ausklarierungs-Stempel.
Der Wind geht zurück auf NE 4Bft. Wir segeln zum Ankerplatz Isla Partida
- auf den Spuren Steinbecks. Als wir den Canal de San Lorenzo passieren
lese ich bei Steinbeck, daß ihr Schiff damals noch einen mexikanischen
Lotsen an Bord nehmen mußte, um dieses diffizile Seegebiet zu passieren.
- Caleta Partida (B=24° 31,91'N ... L=110° 23,63'W)
Diese Inselwelt ist landschaftlich so reizvoll - einsam, bizarre Gebirgsformationen
- daß es sich lohnen würde, sich viele Tage hier aufzuhalten.
Die Isla del Espirito Santo ist die größere von zwei Inseln;
unmittelbar im Norden liegt die Isla Partida. Ursprünglich war das
eine Landmasse, die bei jedoch einem (unter Wasser-)Vulkanausbruch getrennt
wurde. Zwischen beiden Inseln hat sich ein Krater herausgebildet - ein
runder Naturhafen. Wir ankern am N-E lichen Kraterrand.
- Isla San Francisco (B=24° 19,17'N ... L=110° 34,04'W)
Wir setzen alle Segel und nehmen Kurs nach Norden zur Isla San Francisco.
Im freien Seeraum bei 4Bft. kurze steile Wellen.
- Punta San Evaristo (B=24° 54,8'N ... L=110° 42,13'W)
- Puerto Los Gatos (B=25° 18,2'N ... L=110° 56,7'W)
- Bahia de Aguas Verde (B=25° 30,92N ... L=111° 03,72'W)
- Puerto Escondido (B=25° 48,92N ... L=111° 18,73'W)
Dies ist der geeignete Schutzhafen, um das ca 20km entfernte Loreto zu
besuchen. Auf der Fahrt dahin begleiteten uns Delphine und gegen Mittag
hieß es "Wal an Steuerbord 1sm voraus. Wir genießen diese
Naturschauspiel in dieser menschenleeren Region.
Sobald man die enge Einfahrt vorn Puerto Escondido passiert hat, öffnet
sich ein großer, runder Naturhafen, der Ankermöglichkeiten für
über hundert Yachten bietet. Die Bucht ist günstig für geschütztes
Dinghi Sailing; aber auch außerhalb der Hafeneinfahr gibt es viele
geschützte Buchten, die einen Besuch lohnen.
Von der Mole kann geangelt werden. Mit der Tide (ca. 1,20m) passieren kleine
Yellowtails sowie Sierras die Fahrrinne.
- Isla Danzante (B=25° 48,53'N ... L=111° 15,49'W)
- Puerto Los Gatos (B=25° 18,2'N ... L=110° 56,7'W)
- Isla San Francisco (B=24° 49,30'N ... L=110° 34,24'W)
- Ensenada Grande
- Caleta Partida
- Lobos Isl. (B=24° 17,91'N ... L=110° 20,07'W)
- La Paz
courtesy of Gerhard Schimpf, Pforzheim, Germany ©1998 BACK to baja.org!